Arbeitsweise

Narzisstische Ornamente

Wen sehe ich im Spiegel: mich oder nur das Kleid?

Die Frage

Ich arbeite mit Fotografien aus der Modewelt. Diese Bilder haben ein Ziel: Wir sollen kaufen. Wer ein Kleidungsstück kauft, das ihm gefällt, zieht es an und sieht sich mit dem neuen Stück im Spiegel. Und dann frage ich: Sieht er sich selbst oder nur das Kleid? Geht die Person verloren, weil der Blick nur noch am Produkt hängt? Für mich ist das eine narzisstische Betrachtung. Deshalb nenne ich meine Bilder narzisstische Ornamente.

Die Vorlage

Angeregt haben mich die Fotografien von Oliviero Toscani, der über viele Jahre die Werbung für Benetton gemacht hat. Heute arbeite ich mit Modefotos von Benetton und von anderen Marken.

Die Ikone

Mein Vorbild für die Form sind die Ikonen des Mittelalters, besonders die russischen, wie die von Andrei Rubljow. Die Menschen stehen flach und ohne Raum nebeneinander, auf goldenem Hintergrund. Der goldene Hintergrund ist der Himmel. Bei mir ist er mit Acrylgold gemalt, manchmal silbern. Auch ein Spiegel hat diesen goldenen oder silbernen Glanz.

Das Ornament

Mein zweites Vorbild sind die Ornamente des Orients, allen voran die der Alhambra in Granada: Muster, die sich wiederholen, spiegeln und drehen und keinen Menschen zeigen.

Vom Foto zum Spiegelbild

Ich zeichne die Menschen aus dem Foto als schwarze Linien auf die Leinwand. Über die Linien lege ich ein farbiges Muster, das ist das Kleidungsstück. Dann digitalisiere ich das Bild. Am Computer lösche ich die Figuren und arbeite nur mit dem Muster weiter: Ich spiegle es, drehe es und setze es neu zusammen. Dieses Muster übertrage ich auf eine zweite, manchmal auf eine dritte Leinwand. Dort ist nur noch das Spiegelbild des Kleides zu sehen. Eine Linie läuft durch alle Tafeln, sie ist das verbindende Element.

Was bleibt

Der Mensch selbst geht unter. Im Mittelpunkt steht das Produkt, und es spiegelt sich nicht als Person, sondern als Muster.

Narzisstisches Ornament – Catwalk
Narzisstisches Ornament – Catwalk, Triptychon, 1 × 100 × 160 cm, 2 × 100 × 80 cm
Dress Code Blue I
Dress Code Blue I, Diptychon, je 120 × 80 cm

Alle narzisstischen Ornamente Variation erzeugen

Was andere schreiben

„Man fühlt sich an die formale Strenge frühmittelalterlicher Tafelbilder erinnert.“

„Frontale Darstellungen von Personen, die wie Ikonen wirken, deren Gesichter bereits ausgelöscht sind.“